#27 – Multitasking und seine Wirkung

Nie haben wir genug Zeit, alles zu erledigen. Jeder Tag hat nur 24 Stunden obwohl viele von uns sicherlich 48 Stunden bräuchten. Aber dafür hat die Menschheit ja das Multitasking erfunden. Sie erlaubt es uns in der Zeit zwei oder mehrere Dinge gleichzeitig zu machen. Welch eine Segen. Oder vielleicht doch nicht? Warum ich Multitasking für einen Fluch halte und wo der Begriff überhaupt herkommt, erfahrt ihr im heutigen Artikel zum Thema „Multitasking, die Kunst mehrere Dinge gleichzeitig zu vermasseln“.

Der Effekt des Multitasking

Im Sommer 2009 untersuchte der amerikanische Professor Clifford Nass den Effekt des Multitasking. Er erstellte zwei Gruppen und lies sie die gleichen Aufgaben bewältigen. Die einen die behaupteten, geübte Multitasker zu sein und jene die es nicht seien. Er führte die Untersuchung mit der Annahme, dass die Multitasker bessere Ergebnisse lieferten. „Ich war mir sicher, dass sie über irgeneine geheime Fähigkeit verfügen“, sagte Ness. Es stellte sich heraus, dass die Vergleichsgruppe der Multitasker nichts richtig erledigten. Die anderen, die sich immer nur einer Aufgabe gleichzeitig widmeten, schnitten in allen Punkten besser ab. Einzig im Selbstbewusstsein vor der Bewältigung der Aufgabe waren die Multitasker überzeugte, sie könnten alles gleichzeitig und schneller lösen.

Multitasking ist daher ein Märchen, auch wenn alle daran glauben. In Bewerbungen und Trainings wird es immer wieder als begehrte Fähigkeit angesehen. Es ist aber nichts anderes als eine Selbsttäuschung. Denn Multitasking ist weder effizient noch effektiv. Wenn sie zwei Dinge gleichzeitig machen, dann machen sie nichts richtig.

Die Herkunft des Multitasking

Wie bei vielen tollen Begriffen und Buzzwords kommt auch Multitasking nicht aus den biologischen Tätigkeiten eines Menschen sondern von der Technik. In den 1960er wurden die Computer immer Leistungsstärker. Damals waren 10 MHz bahnbrechend schnell (heute könnte selbst unser Lichtschalter mehr Leistung haben), das ein neues Wort her musste. Der Computer war so schnell, dass er scheinbar mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen konnte. Auch damals war der Begriff schon nicht korrekt, da der Computer trotzdem immer nur eine Aufgabe auf einmal lösen konnte. Er wechselte nur innerhalb eines Bruchteils von einer zur nächsten Aufgabe. Erst mit der Einführung der Multiprozessoren ist „echtes“ Multitasking möglich, da es mehrere Kerne gibt, die gleichzeitig verschiedene Aufgaben bewältigen können.

Der Mensch als Computer

Schnell wurde dieser Begriff auf den Mensch übertragen. Anders als beim Computer, der blitzschnell zwischen Aufgaben wechseln kann, sollte der Mensch alles gleichzeitig im Kopf behalten. Aber so einfach ist das beim Mensch nicht. Er kann sich immer nur auf eine Tätigkeit konzentrieren. Jetzt sagen sicherlich viele: „Ja das stimmt, aber ich kann blitzschnell von einer auf eine andere Tätigkeit wechseln.“ Dies ist nur zum Teil so. Jeder Wechsel kostet uns, anders als beim Computer, viel Zeit und Energie, da wir nicht so schnell vergessen. Ein Computer löscht einfach seinen Arbeitsspeicher und beginnt von neuem. Wir aber haben unsere Informationen der vorherigen Tätigkeit noch irgendwo im Kopf. Daher vermischen wir oft Arbeiten oder können einfach nicht unser ganzen Potenzial nutzen. Dies führt zu einer schlechteren oder verzögerten Fertigstellung unserer Tätigkeit.

Wo Multitasking möglich ist

Und doch betreiben wir ja Multitasking jede Minute. Ich schreibe gerade diesen Artikel und atme währenddessen. Aber ich gehe spazieren und unterhalte mich mit meiner Freundin. Dies ist alles möglich und doch ist es kein echtes Multitasking. Die Aufgabe zu gehen oder zu atmen ist keine aktive Tätigkeit. Es sind routinierte Prozess, die unser Gehirn schon tausende Male gemacht hat.

Hier ein Beispiel, wo es allerdings gefährlich werden könnte. Autofahren und Telefonieren sind beides routinierte Aufgaben. Nicht selten merke ich, wie sich mein Gehirn auf langen Autofahrten abschaltet und ich quasi im Autopilot fahre. gleiches mit Telefonieren. Spreche ich nur über normale Themen wie mein heutiger Arbeitstag oder das Wetter, dann kostet es mich nicht wirklich Denkarbeit. Aber wehe, ich werde aus meiner routinierten Arbeit geworfen. Wenn ich mich gerade in einem spannenden Gespräch über den nächsten Urlaub befinden, fokussiere ich mein Gehirn auf den Urlaub. Wenn jetzt plötzlich das Fahrzeug vor mir stark bremst, dann ist mein Gehirn nicht in der Lage, alle Energie auf die Notsituation zu fokussieren. Ich bremse später oder fahre vor Schreck auf die andere Fahrbahn und in ein Auto. Das ist auch der Punkt, wieso viele Menschen es nicht verstehen, wie gefährlich Telefonieren beim Autofahren ist. Wenn man routiniert fährt, denkt man sich „ja ich kann auch beim Telefonieren gut Auto fahren“. Erst sobald man in eine Notsituation kommt, merkt man (oder eben auch nicht mehr), wie ernst es ist. Und ein kleiner Hinweis am Rande: Es ist übrigens vollkommen egal, ob ihr das Handy mit eurer Hand ans Ohr haltet oder die Freisprechanlage verwendet. Es beansprucht fast genauso viel eurer Gehirnleistung. Deshalb mein Tipp: Wenn ihr einen wichtigen Anruf während der Fahrt bekommt, dann fahrt einfach rechts ran und nehmt die 5 Minuten Verzögerung in Kauf.

Fokus statt Multitasking

In der Zeit der Informationsflut und des Internets werden wir mit ständiger Erreichbarkeit, unzähligen Aufgaben und wichtigen Erledigungen bombardiert. 24 Stunden pro Tag scheinen daher viel zu gering zu sein. Aber die Zeit ist mehr als ausreichend. Wichtig dabei ist nur der Fokus, den wir uns setzen. Wenn wir uns zu jeder Zeit auf die Sache fokussieren, die gerade am wichtigsten ist (Sei es auf das Kind aufzupassen, das Projekt fertig zu stellen oder einfach nur das Butterbrot in den Mund zu führen), dann erledigen wir diese Aufgaben in einem Bruchteil der üblichen Zeit und so viel effektiver. Setzt also eher auf Fokussierung als auf Multitasking. Auch wenn ihr scheinbar weniger dabei schafft, so werdet ihr in Wirklichkeit bessere und mehr Ergebnisse liefern.


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